Das grammatische, das biologische und das soziale Geschlecht, „Nein Frauen sind keine Menschen!“

Eines tages sah ich mit der Großen ein buch an, sie war etwa 2 1/2 jahre alt, sie zeigte auf eine frau, ich kommentierte „ein mensch“ und beschrieb, was sie tat.

Da sagte die große“nein!“, ich fragte, was sie meine. „Das ist eine frau!“ Ich antwortete“ja eine frau und frauen sind menschen“ „nein“ sagte sie wieder,“frauen sind keine menschen!“

Sie schaute mich begeistert an, der nervenkitzel brachte sie zum kichern, sie war stolz darauf eine so wagemutige these aufzustellen. Auch reizte sie die spannung auf meine reaktion.

Ich ging das ganze packet mit ihr durch, kinder, frauen und männer sind menschen. Nein, nein, nein, ruft sie, es ist ein spiel, sie übt sich darin anderer meinung zu sein. Das macht sie gut, in anderen situationen argumentiert sie auch schon richtig und ihre these beruht glaube ich auf unserer patriarchalisch geprägten sprache, der junge, der mann und der mensch sind männlich, frauen sind weiblich und mädchen leider sächlich. Also sind demzufolge frauen und mädchen keine menschen, logisch.

Wie soll ich einer 2jährigen etwas vom grammatischen, biologischen und sozialen geschlecht erklären? Wie soll sie in unserer vermännlichten gesellschaft durch beobachtung die unterschiede lernen?

Kurz bevor sie drei wurde haben sie und ihre kleine schwester im flur mit dem buddelzeug gespielt, die große kippte alles aus dem rieseneimer und die kleine wühlte im haufen und freute sich über die verursachten geräusche.

Ihre große schwester setzte sich ins regal im flur. Sie hatte eine schaufel in der hand und fing dadurch animiert an „Wer will fleißige Handwerker sehn, der muss zu uns kindern gehn“ bei dem wort kindern wird ihre stimme immer bedächtig und sie spricht den text bedeutsam, langsam, „uns kindern“, in diesem moment legt sie sich auch die hand auf die brust, drei durchläufe..

Bis sie die sätze herausschmetteret. Sie fuchtelte dazu mit der schaufel umher.

Nachdem sie ruhiger wurde sagte sie zu mir, „Mama, ich bin ein mädchen.“,

„Ja du bist ein mädchen.“

„Ich kann kein handwerker..“

Sie schaute mich hilfesuchend an, mit offenem mund..

„Nein, du bist eine handwerkerin!“

Ein lächeln, sie hatte meinen blick festgehalten und ließ ihn nun wieder frei, sie freute sich über die lösung für das problem, was sich plötzlich als denkschritt in einem abgrund aufgetan hatte.

Ein schlüsselerlebnis für uns beide.

Ich denke, durch das fehlen von neutralen bezeichnungen werden kinder und auch erwachsene sehr eingeschränkt, mit ihrer bezeichnung und anredeform immer auf ihr geschlecht beschränkt, verknüpfen sich damit doch positive und negative vorurteile und erwartungen, die wir kindern schneller vermittelt haben, als wir „Chancengleichheit für alle!“ sagen können!

Ist das der pseudogesellschaftliche Sieg vom sozialen Geschlecht übers physische??

Nachtrag, bei der Kleinen gild eine andere formel…

https://lovisraeubermutter.wordpress.com/2016/03/05/dunkelblau-schlaegt-zurueck/

Lovis

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