negation, hippe eltern

Wieder auf dem spielplatz, wenig eltern schmeißen ihre kinder in die frische, eisige luft, doch die sonne scheint wieder, es ist aber noch alles nass, auch die luft und die kindernasen und -wangen sind rot. Erstmal auf die schaukel, die ist der kleinen auskuck, von hier aus beobachtet sie die sozialen beziehungen und die tätigkeiten der anderen, meistens wartet sie, bis ihr ein spiel gefällt und gesellt sich dann dazu, sie versucht aber vorher das geschehen zu verstehen.

Da begibt sich ein kind in lila schneeanzug, zur anderen schaukel beide elternteile sind mit ihr hier, sie beobachten sie arm in arm nebeneinander stehend genau. Um die dreißig sind sie, sehen modern und sympathisch aus, steno nicht dick, nicht dünn, nicht rechts, nicht links.

Das mädchen, etwa fünf, hat sich über die schaukel gelegt und schwingt den blick auf den sand gerichtet ein bischen hin und her, mit den gummistiefeln stößt sie sich vom boden ab. Das habe ich als kind auch gerne gemacht, habe gefühlt, wie mir das blut in den kopf stieg und den sand beobachtet, die einzelnen körner, unzählig viele, ihre einzigartigkeit, in farbe und form, habe spaß am takt gehabt, in dem meine füße beim hin und her schwingen bodenkontakt bekamen und ich mich abstieß, die dynamik meiner bewegung vereint mit der pendelbewegung der schaukel, wieder verbunden mit meinem körpergewicht, vollkommen in gedanken.

Offenbar konnten ihre eltern dieses gefühl nicht aus der schublade ihrer kindheit hervor kramen.

Denn nach ein paar sekunden wiesen sie das kind an, ihr vater schaute sogar ärgerlich, wenn sie jetzt nicht richtig schaukeln wolle solle sie da runter kommen, sie müsse sich auf die schaukel setzen, so ginge es richtig. Das kind stieß sich noch einmal ab, dann ließ sie ihre eigenen gedanken los und folgte ihren eltern. Ihre mutter setzte sie richtig auf die schaukel und sagte ihr, sie solle nun selbst anschwung machen, was sie dann tat. Alles wurde liebevoll gesprochen.

Meine kleine schaukelte daneben und hatte spaß am zu schauen, wie das kind selbst schwung holte, sie selbst kann es, aber noch nicht effektiv genug, sie beobachtet gern um zu lernen.

Dann quängelte sie etwas, wollte runter, wieder rauf, freundlich wand sich ihr das elternpaar zu und kommentierte ihr eindrehen der schaukel positiv. Die kleine wollte rauf, dann wieder runter, dann wieder normal im sitzen schaukeln, schnell hatte sie ihre unruhe überwunden und beide kinder schaukelten wieder richtig, nebeneinander.

Als das andere kind dann abstieg wollte sie hinterher, offenbar hatte sie eine zugehörigkeit zu dem mädchen entwickelt. Es ging zur backsteinschräge, die über eine breite treppe erreichbar ist und von dieser durch etwa 50 cm hohe natursteine abgegrenzt ist. Dort rutschen auch meine kinder gern hinunter. Das andere mädchen durfte einmal rutschen und wurde dann zu einer der richtigen metallrutschen überredet.

Wir blieben bei den steinen, die kleine liebt es, ich finde es auch angenehm. Also ging es immer im kreis, treppe rauf, dann im sitzen hinunter(dann nehme ich die treppe), oder im stehen, mit mir an der hand, kind voraus, sie hält dabei die spannung und wir zusammen das gleichgewicht, es macht wirklich spaß. Wenn sie rutscht, dann rutscht sie auch gern noch ein flaches stück weiter auf den ebenmäßigen steinen, wie ein hund der sich den hintern schuppert..

Während sie das machte, kam das kind mit den beiden eltern wieder, wieder wurde sie von ihnen freundlich und positiv kommentiert und angesprochen.

Das zurechtweisen hörte nicht mehr auf. Das kind wollte so wie alle anderen im stehen, durfte sie nicht, sie kletterte die steine zwischen treppe und rutschfläche sicher und kreativ hinauf, wurde durch die mutter zunächst dabei sicherheitshalber festgehalten und dann nach einem drittel der strecke vom vater per verbot zur norm, der treppe gebracht. Sie bemühte sich trotzdem spaß zu haben, die kleine freute sich über sie und wartete immer unten und sah ihr dann beim rutschen zu. Ich mochte sie auch gerne. Sie konnte noch lachen, obwohl ihr ihre eltern in einem fort sagten, was sie alles NICHT tun sollte und dass sie mit allem aufhören solle, was eigeninitiative, oder kreativität bedeutete. Ständig sagte ihr vater „du fällst“,“du tust dir weh“, weder das eine noch das andere geschah. Obwohl sie durch das gehibbel und das nicht, nein, du tust dir weh, du fällst hin, wenn du das machst, geradezu dazu aufgefordert wurde.

Die beiden waren sich nicht im geringsten darüber bewusst, wie sie ihr kind einschränkten.

Es tat mir so leid für die drei, mir fiel nicht ein, wie ich ihnen das hätte positiv vermitteln sollen. Sie sprachen so lieb mit ihr, machten sie aber vom inhalt her nur runter.

Am liebsten hätte ich mich als babysitterin angeboten um dem kind etwas selbstvertrauen in sich selbst zu verschaffen.

Es ging die ganze zeit so, „wenn du da nur sitzt, dann können wir auch nach hause gehen, da kannst du auch rumsitzen.“, sie hatte ganz oben auf der schräge verweilt, um sich ein windstoß ins gesicht wehen zu lassen und auf den spielplatz hinunter zu schauen, auf die blätter, die flogen und die äste, die sich neigten. Sie war mir sehr sympathisch!!!

Lovis

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2 Gedanken zu “negation, hippe eltern

  1. Ohje, die ganze Freude der Kleinen über den Spielplatz ist weg. Schade! Aber sagen kann man da ja auch nichts, Wildfremde kritisieren sowieso nicht. Doch vielleicht sehen sie selbst mal den Unterschied des Verhaltens ihrer Tochter und dem anderer Kinder am Spielplatz und beginnen nachzudenken. Oder sich umzuschauen, wie es die anderen machen. Liebe Grüße!!

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    1. Meine kleine haben sie ja positiv bewertet, als sie die schaukel kreativ behandelte, und mit ihrer haben sie auch immer in liebevollem ton geredet, vieleicht sagt ihnen ihr kind bald, dass es das nicht schön findet,..
      Alles liebe und viel sonne, Ronja lässt sie scheinen!!! Lovis

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