ACHTUNG, GENDER

Wenn ich mitglied einer gruppe bin und diese gruppe, von wem auch immer nur mit „sehr geehrte herrn,…“ angesprochen wird, werden mir wohl die meisten menschen recht geben, dass ich mich, als frau innerhalb dieser gruppe nicht angesprochen fühle, weiter geben mir wohl noch viele recht damit, dass ich, wenn die gruppe mit „sehr geehrte herrn,..“ angesprochen wird, von dieser gruppe, als frau, abgespalten werde, da diese gruppe durch die anrede sowohl erst in geschlechter aufgespalten wird, als auch alle mitglieder, auf die diese anrede nicht zutrifft, als gruppe isoliert selektiert wird.

Anders verhält es sich mit der allgemeinen betrachtung bei bezeichnungen von gruppen, die nicht als bezeichnung nur einer allgemeinen geschlechtszugehörigkeit, (wie dame/damen, frau/frauen, mädchen/mädchen, mann/männer, herr/herren, junge/jungen), sondern als bezeichnung eines status einer person, einer gruppe zugehörig, innerhalb ihrer gesellschaftlichen funktion (, also berufsbezeichnungen, tätigkeitsbezeichnungen, beziehungsstaten,etc.,).

Wenn ich nun studiere und eine frau bin, mich in einer gruppe von studentinnen und studenten befinde. Fühle ich mich nicht mehr angesprochen, wenn anstatt „meine sehr geehrten herren,..“ „meine sehr geehrten studenten,…“ als anrede verwannt wird. Nun ist es auf hochschulen mittlerweile üblich sich mit dem thema auseinandergesetzt zu haben, aber in vielen bereichen finden es viele leute kleinlich, darauf zu verweisen, dass hier nur die männliche bezeichnung verwannt wird.

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Allerdings haben studien ergeben, dass das interesse von jungen und männern für einen eher als weiblich geltenden berufszweig steigt, wenn in broschüren und werbefilmen mit einer 50%50% darstellung geworben wird und auch die männliche version des berufs, zb, krankenpfleger/krankenschwerster, auftaucht, aber lang nicht so stark, wie der anstieg, an dem interesse der frauen und mädchen, wenn ihnen männertypische jobs so gleichberechtigt vorgestellt werden, bei ihnen war im interesse an diesen sonst von frauen eher liegengelassenen berufen im vergleich kein unterschied mehr zu erkennen. Also hat den mann als norm vorzugeben verheerende auswirkungen, auf das selbstempfinden von männern und frauen, da nicht nur die frau sich in der mehrheit nicht für den männerberuf begeistern kann, sondern auch die minderheit der frauen, die es tut von den männern immer noch als fremdkörper gefühlt werden.

Studien mit studenten ergaben, dass sie die bewerbungen von frauen aus gründen ablehnten, aus denen sie die von männern hypothetisch annahmen, diese studenten gaben an keine gechlechtsspezifischen vorurteile zu hegen und schätzten sich als objektiv ein. Es schlummert trotzdem in ihnen, und das hat nichts mit kleinlich sein zu tun, sondern damit gleiche chancen zu schaffen!

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Vor ein paar monaten ist mir aufgefallen, dass es in der sprache der news letter von abgeordneten watch und food watch (die ich beide abonniert habe) einen prägnanten unterschied gibt, food watsch will alle menschen ansprechen und benutzt meißtens einen schrägstrich zwischen weiblicher und männlicher endung von bezeichnungen von menschen einer gruppe, zb. konsumenten/innen, obwohl ich das makron(unterstrich_) und gendersternchen besser finde, da es alle menschen mit einbezieht, ich fühle mich als frau somit angesprochen, abgeordneten watch kennt nur männliche bezeichnungen für „regierende“ und „regierte“..schade, seit mir das auffiel, lese ich die news letter nicht mehr, die mich als weiblichen menschen nicht ansprechen wollen, nicht bewusst, mir fiel nur neulich auf, dass sie alle seit meiner entdeckung ungeöffnet geblieben sind. Gerade, wo es immer wieder um politiker*innen geht, deren repräsentative wirkung in der öffentlichkeit doch nicht nur als männlich dargestellt werden darf ist das doch irgendwie nicht mit der zeit gegangen und passt nicht zum thema mehr demokratie, wenn ich nur eine hälfte der bevölkerung anspreche. Und die gruppe der politikerinnen und politiker im allgemeinen nur als männlich klassifiziere..

Sind nicht alles männer, außer mutti!!!!

Aber gerade hier liegt ein interessantes problem…

Wenn wir immer wieder betonen, dass es frauen und männer gibt, (was auch all jene, die sich dazwischen, oder jenseits davon befinden ausschließt,) dann implizieren wir doch immer wieder die trennung, den hinweis auf die wichtigkeit für dieses merkmal einer person. Andererseits, wenn wir alles als männlich bezeichnen, mit dem hinweis, dass damit doch auch die weiblichen gemeint wären, suggerieren wir ein ungleichgewicht in quallität und quantität, denn, wenn jemand immer wieder nur von radfahrerinnen spricht, ist sich doch die masse einig, dass es sich hier ausschließlich um mädchen/frauen auf fahrrädern handelt, wenn es allerdings um radfahrer geht, kann mensch für gewöhnlich alle geschlechter meinen, was zu der absurden doppelkarstellung männliche radfahrer führen kann, die für weibliche radfahrerinnen offensichtlich wird, lächerlich findet die masse für gewöhnlich dann aber männliche radfahrerinnen, warum wird die bezeichnung weiblicher radfahrer dann als normal empfunden? Ist er denn nicht genauso lächerlich?

Nein, durch unsere vermännlichte sprache empfand es jemand als vollkommen normal in einen ausbildungsvertragsentwurf für assistenzärzt*innen*e den satz zu basteln „..wenn der arzt in der ausbildung schwanger wird,..“. Daraufhin wurde der entwurf übrigens abgelehnt.

Also gibt es zwei möglichkeiten, entweder das eher traditionelle, in unserer sprache tief verankerte prinzip der männlichen norm, was automatisch alle, die nicht männlich sind als minderheit bezeichnet, oder als zweit-, drittklassik und so weiter abwertet. Oder alles wird mit schrägstrich gesprochen, (was alle ausschließt, die sich nicht als weiblich oder männlich definieren,) und immer wieder die angebliche wichtigkeit der geschlechtszugehörigkeit suggeriert, nicht menschen, sondern frauen und männer sind wir…

Immer wieder auf den unterschied hinzuweisen, kann dazu führen, dass sich die geltenden vorurteile und klischees in das bewusstsein heften und die eigene leistung, entscheidungen und beurteilungen anderer sich unbemerkt in unser verhalten drängen, obwohl sie im gegensatz zu unserer persönlichen auffassung zu diesen klischees und vorurteilen stehen.

In einer studie wurden kinder einer vorschulklasse in zwei gruppen unterteilt blaue und rote, drei wochen lang trugen die kinder t-shirts ihrer gruppenzugehörigkeit nach, in einer der beiden versuchsgruppen wurde nichts weiter unternommen, in der anderen wurden die kinder immer in diese kategorien unterteilt, von den lehrer*inne*n, mit blaue und rote angesprochen, usw.

Nach den drei wochen zeigten die kinder beider klassen eine identifizierung mit der jeweiligen gruppe, waren der meinung, dass ihnen unterschiedliche eigenschafften inne wären und spielten eher gruppenspezifisch nach rot und blau. Allerdings waren diese gruppenspezifisch konformen verhaltensmuster und meinungsbildungen bei der klasse, in der die aufteilung durch die lehrerinnen und lehrer betont wurden erheblich ausgeprägter.

Was für eine erkenntnis, immer wenn geschlechtsspezifisch zugeordnet wird, brechen wir die kinder weiter in mädchen und jungen auseinander.

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Viele weitere, wirklich wissenschaftlich durchgeführte studien haben reihweg ergeben, dass nur an ein klischee erinnert werden, eine erwartungshaltung in eine richtung weisen, ein vorurteil direkt wiederlegt werden, oder auch nur das eigene geschlecht auf einem fragebogen angekreuzt werden musste und schon ist unsere leistung, unsere beurteilung und unser verhalten verändert.

Daraus folgt, dass unsere sprache wandel bedarf!

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Im englischen ist es nicht so schwer, da muss mensch nicht viel ändern, um auf eine gendergerechte und am besten und fairsten eine genderneutrale aussage zu kommen, hierfür sind auch schon varianten in der geschriebenen umgangssprache etabliert.

Das deutsche hats da schwer..

Oder haben sich nur die deutschen damit schwer?

Alle vorschläge, die ich dazu gelesen habe waren von diesen seltsamen menschen kommentiert worden, die keinen änderungsbedarf sehen und finden, das neger ein ganz normales wort ist. Aber dass hoch und tief nicht mehr geschlechtsspezifisch getauft werden, sondern gutes wetter nun seit den 90ern auch frauen bringen können und umgekehrt, ist ein zeichen des wandels, als menschen anfingen das zu fordern, wurden sie auch ausgelacht, und es wurde betont, dass es doch nicht wichtig sei. Aber, dass die ständige negation des weiblichen folgen hat, können so viele studien belegen..

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Jedenfalls lassen sich die vorschläge bei der herrschenden sturrheit in den köpfen nicht durchsetzen.

Ich finde es wichtig auch auf den wortstamm zu schauen.

Die bezeichnungen

Handwerkerin, weibl.

Handwerker, mänl.

Tragen die typischen merkmale, männlich -er, weiblich -erin.

Das find ich scheiße..adams rippe..

Warum nicht,

Handwerkin, weibl.

Handwerker, männl.

Dann würde das weibliche -in nicht mehr als unbequemes übergewicht, als unnötig und mehraufwand gefühlt werden.

Da ich aber aus angeführten gründen der meinung bin, dass wir menschen nur freien zugang zu möglichkeiten, chancen und dem ausbauen von talenten gewähren können, wenn wir die kategorisierung in geschlechter sein lassen, bin ich für die reduzierung auf den wortstamm, mit zugabe einer abrundenden allgemeingültigen endung.

Meine güte, für westafrika haben deutsche linguistiker*innen eine eigene sprache aus den verbreiteten vielen, mit dazugehöriger grammatik entwickelt, dann dürfte doch eine lösung findbar sein, für das land der dichter und denker, mal zu dichten und zu denken…

Die schweden sind schon 2009 soweit gewesen..

„Während für Frauen das Wort »sie« (schwedisch »hon«) und für Männer das Wort »er« (schwedisch »han«) existiert, soll nun »hen« für alles andere und was auch immer stehen. Es entspricht nicht unserem »es«, dafür gibt es auch in Schweden bereits das Pendant »det«. Man ist also politisch bemüht, angebliche Diskriminierung beiseite zu schaffen, die allein dadurch entsteht, dass ich jemanden als Frau oder Mann erkenne und natürlich auch so anspreche….“

..weiter lesen..

Und auch dieser artikel äußert sich abfällig, als ginge es darum transgender als mode zu konsumieren, wieder ein arroganter, uninformierter, kurzsichtiger mensch, es ist ähnlich, wie beim klimawandel, auch wenn wir von vermännlichter sprache nur methaphorisch überschwämmt werden..

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