das glück der abwesenden väter

,20151027_150653

Meine eltern trennten sich als ich etwa acht war, meine mutter war schon ein jahr vorher ausgezogen. Ich war unheimlich froh darüber, meine ersten erinnerungen sind daran, wie ich abends im bett liege und der waschmaschiene beim schleudern zuhöre, wärend sie sich anschreien. Ich dachte der ganze stress würde aufhören, tat er nicht, ist aber nicht mein thema. Erst war ein wochenturnus ausgemacht. Das klappte nicht, unter anderem, weil mein vater sich nicht an abmachungen hielt und eine frühe mitlifekrisis lebte. Meine mutter erzählte mir immer wieder, dass mein vater frei ist und machen kann, was er will und sie an mich gefesselt sei. Auch, wenn es grausam war, sie mich als erwachsenenersatz und kummersack missbrauchte, verstehe ich ihre wut, ihre verzweiflung, heute, wie darmals!

Wenn auch nicht so extrem, lief die trennung der eltern anderer auch so ab, mann blüht auf, frau sitzt mit kind allein an der backe da und die väter können alle zwei wochen ein wochenende glänzen und der coole onkel sein, oder der vater der sein kind nur alle zwei wochen für zwei tage ertragen muss und es dann auch noch später abholt, unzuverlässig ist und es früher wieder zu hause bei der mutter absetzt. Oder er zieht sich zurück, weil das kind, sich in der trennun auf seite der mutter positioniert. Was mütter bewirken können, das, was das kind vom trennungsablauf mitbekommen hat oder auch einfach die tatsache, dass das kind mehr zeit bei der mutter verbringt.

Ich weiß, es geht auch anders, aber das waren die regelfälle die ich mitbekam. Vater und kind verlohren meistens nach und nach ihre bindung, die väter kamen bei der sprunghaften entwicklung nicht mehr mit und sie verstanden sich nicht mehr. Nach mehreren versuchen und eskalationen mit der frau meines vaters, sah ich ihn als teenager fast nur noch zu weihnachten und selbst das endete immer mit konflikten.

So, der vater ist beweglicher als die mutter und kann sich ein neues leben aufbauen, in das er das kind als besucher_in integrieren kann. Die mutter hingegen hat mit kind schlichtweg kaum zeit dafür, wenn sie denn den hauptbetreuungsanteil leisten muss. Sie steht finanziell blöd da, da sie meistens ihre karriere auf eis gelegt hat um für den nachwugs zu sorgen, teilweise hat sie ihre ausbildung gar nicht abgeschlossen, oder kaum berufserfahrung, durch die elternzeit. Auch kann sie nicht so flexibel und viel arbeiten, die schule beginnt um acht und die kitas schließen auch irgendwann, ihr rahmen ist klar gesetzt und mit den kindern möchte sie sicherlich nicht nur abendessen, zähne putzen und eine gute-nacht-geschichte lesen.

Also hat sie ihre zeit „fehlinvestiert“, in die zukunft, aber in unser aller, dumm, nicht in ihre eigene. Er hat es „richtig“ gemacht. Hat in seinen beruf investiert, ist ja auch bezahlte arbeit..

11717420_481929815304854_3291163055627368203_o

Das ist kapitalismus…

Heute sind es immer noch geld, gesellschaftlicher druck, angst vor statusverlust, die verhindern, dass beide elternteile in beruf und familie investieren..was nun auch im falle einer trennung für stabilität sorgt.

Außerdem steht die mutter alleine ohne soziales netzwerg schon außerhalb der gesellschaft, einen neuen partner zu finden scheint fast unmöglich. Nur ein dichtes soziales netzwerg schützt hier vor sozialer isolation, burn out ist da vorprogrammiert.

Ich rede hier von den 90’ern und meinen subjektiven erfahrungen, die allerdings durch statistiken zimlich allgemein bestätigt werden. (Die statistik ein paar zeilen höher ist allerdings von 2014, das bezieht sich natürlich auf heute…)

Meine mutter hat es richtig formuliert, klotz am bein. Nun hätte sie das gesellschaftliche konstrukt dafür schmerzhaft an ihr bein gehäftet sehen müssen und nicht mich. Da sie das alles allerdings reflektiert hat möchte ich sie hier nicht angreifen, ich sehe ihre verletzungen, ihre wunden und meine halt auch.

Nun als junge erwachsenne sind viele menschen doch interessiert an ihren wurzeln, da meistens die frauen die kinder großzogen und sich die nächte um die ohren schlugen, sind sie nicht unbekannt und mit ihnen können viele konflikte entstanden sein, denn sie sind ja da. Väter hingegen, die nicht da waren, konnten darüber hinaus nicht so viel falsch machen, sie waren ja nicht da. Das bietet dem erwachsenen kind die gelegenheit sie neu kennen zu lernen. Es gibt ja nicht so viele negative erinnerungen. Die entbehrten Väter bekommen einen „fertiggroßgezogenen menschen“, keine windeln, keine krankschreibung weil ihr kind läuse aus der schule mitbringt, keine konflikte mit einer_m teenager_in, die_der sich loslößt und ständig ausflippt. Dazu hatten sie eventuell ein interessantes leben in ihrer abwesenheit. Konnten sich die hörner abstoßen und bekommen eine zweite chance, ein guter, erfahrungsreicher vater zu sein, interesse am nachwuchs zu leben.

Also haben die mütter auch hier den schlechteren posten, trotz ihrer jahre langen aufopferung, gerade, wenn sie den vater nicht negiert haben, keinen negativen standpunkt vorformuliert haben.

Ich will nicht einseitig sein, eine generation verlassener kinder bringt heute auch wieder väter hervor, die es anders, besser machen wollen, die da sein wollen, als aktives elternteil und verantwortungsbewusster partner. Genauso, wie starke superfrauen, die alles schaffen, was seltsamer weise dann von anderen frauen erwartet wird. Anstatt entlich die versorgungslücken gesetzlich zu schließen. Es gäbe so viele mittel ungleichheiten zu beseitigen. Die rente haben sie uns eh geklaut, 40% altersarmut..und altersarmut wartet auf die meisten alleinerziehenden mütter.

Und es gibt auch immer mehr fälle in denen der männliche part einer heterosexulellen beziehung, aus der kinder hervorgegangen sind, mit allem alleine da sitzt. Aber noch ist das eine wachsende aber absolute minderheit. Und auch die väter, die um den kontakt mit ihren kindern auf vielen ebenen kämfen, will ich nicht außer acht lassen, auch diese fälle sind auswüchse der gesellschaftlichen erwartung der fürsorge der mutter und der karriere, die als mann neben dem zeugen lebensaufgabe ist.

Was das heile familienglück, das von der kommenden elterngeneration angestrebt wird bedeutet ist leider nicht viel zu erwarten. Denn die heutige generation Plakat-Mutterschaft-NS-Zeitund auch meine eigene ist konservativ, auch im familienbild, das heißt, dass die frau doch wieder und weiterhin die heimarbeit leisten soll, so sehen es leider viele junge menschen, laut umfragen. Doch so ändern sich die dimensionen sozialer ungleichheit nie, die diese situationen formen!

Ist das dann die brazpuppen-/trennungsgeschädigten- generation?

Lovis

 

Möchtest du deine Gedanken oder Feedback hier hinterlassen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s