Töchter Egalias, was wir fordern sollten!!!

 

Die Töchter Egalias„, von Gerd Brantenberg, ist eine welt der vertauschten geschlechter, das patriarchat besteht, nur ist, in der herachie, wie beim sex die frau traditionell oben..
Dem entsprechend ist die gesellschaft auch etwas anders strukturiert, denn die privilegien sind auf frauen zugeschnitten. Die in einem roman verpackte geschichte erzählt von einem jungen, Petronius, der unter der rollenstereotype der männer leidet, würde er doch so gerne eine männliche seefrau sein.

Im prozess des erwachsenwerdens interessiert er sich zunehmend für die männerrechtsbewegung zunächst unterstützt von seiner geliebten, die im buch die kommunistische bewegung vertritt, und baut sie mit auf, die maskulinisten starten auf vielen ebenen aktionen und unterwandern sogar das parlament.
Durchzogen ist die geschichte von den diskussionen zwischen Petronius und seiner mutter Ruth, die sich unmerklich wandeln, bis zum letzten satz im buch, nach dem Petronius fassungslos verstummt.
Als ich das buch das erste mal las, war ich sehr gespannt gewesen, meine mutter hatte schon von dem buch gesprochen als ich klein war. Mit 22 hatte sie es dann für mich aufgetrieben. Ich las es als roman. Ich dachte mir damals, als das thema seemensch auch schon nicht mehr so zeitgemäß war, dass ich mir für ein derart geschriebenes buch, als roman, doch ein anderes thema ausgesucht hätte. Mensch muss es halt im historischen kontext sehen.
Als ich das buch letztes jahr zum zweiten mal las, war ich erstaunt über diese ganz andere erfahrung. Zunächst mal, konnte ich nicht mehr so in diese welt eintauchen, Petronius verwandelte sich in meinem kopf immer wieder in ein junges mädchen, seine mutter in einen mann. Es fiel mir ständig auf.
Zum anderen konnte ich die dargestellte gesellschaft, die eineinhalb seitige beschreibung der wirtschaftsentwicklung, die mich beim ersten lesen so gelangweilt hatten uvm nun in den kontext der geschichte einfügen. Es wird beschrieben, welch hohen status die fischerei und die dort zu fangende fischsorte (vergleichbar mit kaviar), für die insel hat, auf der der protagonist lebt. Dadurch war dieses thema auch nicht mehr so altbacken.
Egalia ist eine wunderschöne utopie, insofern, da hier das gleichgewicht der natur geachtet wird.

In einer herachischen gesellschaft, sieht dass dann so aus, dass der ahndung von umweltvergehen ein hoher stellenwert zugeschrieben wird und ein pädagogisch „wertvoller“ freiheitsentzug als strafe vorgesehen ist. Allerdings kommt so ein verbrechen an der natur so gut wie nie vor.

Eine wibsche, die mehr fischt, als die reprodugtionsrate der fische zulässt, wird weg gesperrt, bis sie es schafft das ökologische gleichgewicht in einem aquarium wieder herzustellen. Eine wibsche, die die umwelt verschmutzt wird weg gesperrt und ihr wird zu essen und zu trinken gegeben, aber keine möglichkeit ihre fäkalien zu entsorgen. Dies sind maßnahmen, die eingesetzt werden, um den wibschen in erinnerung zu rufen, dass alles ein kreislauf ist, der im gleichgewicht gehalten werden muss.

Aus parlamentsdebatten und zeitungen erfahren wir, dass in Egalia der höchste posten im staatshaushalt mit abstand recycling ist, was als das gegenstück unserer agrarsubventionen gesehen werden könnte.
Egalia hat ein problem, es werden zu wenig wibschen geboren. Die rate sinkt stetig.
In Egalia ist es so geregelt, dass frauen in ihrer schwangerschaft und stillzeit krank geschrieben sind, sie können arbeiten, wenn sie wollen, doch, da allgemein anerkannt ist, dass eine schwangerschaft eine gewaltige belastung für den weiblichen organismus ist, müssen sie das nicht.

Im buch bleibt Ruth nach dem sie zu beginn der schwangerschaft erbrechen muss zu hause und lässt sich von ihrem gatten, Kristoffer pflegen.
Außerdem sichern sie die zukunft und das fortbestehen aller wibschen. Nach der geburt, die als heroisches ritual im geburtspalast zelebriert wird, je nach geldbeutel, übergibt die mutter das kind dem vater und folgt so dem kreislauf der natur.
Die meisten frauen gehen während der viermonatigen stillzeit arbeiten, denn der fürsorgliche vater reicht das baby zur brust und hat es dabei auf dem arm. So pilgern sie alle paar stunden zum arbeitsplatz der mutter.
Abtreibung ist legal und sichert der frau ihre wibschenrechte über ihren körper. Was in der debatte jeder vollkommen klar ist und nie in frage gestellt wird. Männer verhüten mit der pille, die einen haufen nebenwirkungen hat, zur einnahme der pille gibt es eine registratur, wenn ein mann nicht registriert ist kann er nicht in wiederspruch gehen um eine vaterschaft anzuzweifeln.
Wenn die mutter keine lust auf eine heile familie, den von ihr benannten vater oder kinder hat, kann sie dem eingetragenen vater das kind behördlich übergeben, denn er hat es ja gezeugt, sie hat es ausgetragen und nun muss er seinen anteil an der zeugung tragen, in Egalia gehören kinder zu ihren vätern. Das ist für den betroffenen mann dann das gesellschaftliche aus, als alleinerziehender vater bekommt er nie ein vaterschaftspatronat.
So wie immer noch so manche frau auf einen statusaufhellenden heiratsantrag wartet, hoffen in Egalia die männer auf ein vaterschaftspatronat. Dazu müssen sie das kind nicht gezeugt haben, wichtig ist, dass sie dann ganz die rolle des unterwürfigen partners und die des treusorgenden vaters spielen, wie die natur es für sie erdacht hat.
In parlamentsdebatten wird nach einer lösung für die sinkende geburtenrate gesucht, anreize wurden schon gesetzt, eine frau bekommt nach einer geburt 5000 der währung Egalias, ob sie das kind behält oder nicht.
Sie sind bei gleichbleibendem einkommen krank geschrieben, aber, so der debattenverlauf, haben sie trotzdem einen ausfall ihrer präsenz am arbeitsplatz, weder könnten sie befördert werden oder eine gehaltserhöhung bekommen, noch auf diese hinarbeiten. Dies sei unfair und müsse vom staat und der arbeitgeberin ausgeglichen werden. Daraufhin wurde dann beschlossen, dass frauen eine automatische beförderung und gehaltserhöhung bekommen, wenn sie eine schwangerschaftsauszeit nehmen.
Mal ehrlich, ein ganz neuer debattenansatz in der diskussion, wie mensch die geburtenrate ankurbeln und soziale ungleichheit beseitigen kann!!! Die probleme vieler familien wären mit einem schlag gelöst!!!
Auch die gegenüberstellung und konfrontation mit der klassentheorie und dem marxismus ist goldig, Petronius redet von seiner unterdrückung als mann, seine geliebte, Gro, redet von ihrer unterdrückung als arbeiterin.
Wobei auch die geschichte der fischerinnen der insel erzählt wird, sie wurden verdrängt, großgesellschaften der industrie kauften nach und nach die fangquotenrechte der fischerinnen auf und zwangen ihre ganze berufsgruppe aus der selbstständigkeit in die lohnarbeit. bzw setzte statt ihrer nun maschienen ein, die meisten fischerinnen mussten die insel versassen, wenige fanden andere arbeit.
Petronius versteht sie und sie Petronius, zu anfang, doch irgendwann sagt Gro ihm, dass er als sohn einer oberen mittelstandsfamilie privilegierter sei als sie als selbstständige fischerin. Sie bewegen sich auseinander.
Irgendwann wird Gro schwanger, sie möchte Petronius das vaterschaftspatronat geben, doch er lehnt ab, Gro schlägt zu, sie bringt ihn fast um. Danach rechtfertigt sie sich mit ihrer angst, ihrer liebe zu ihm, er hätte so etwas nicht sagen dürfen, er sei der ihre, ihr ein und alles.
Auch Kristoffer rät Petronius davon ab das vaterschaftspatronat anzunehmen, es sei hart, aber sein vater hat es auch alleine geschafft ihn groß zu ziehen. Das ist besser als der mann einer gewalttätigen frau sein zu müssen. Er erzählt von den übergriffen von Petronius mutter.
Doch die sicht auf mutterschaft im lebenslauf einer frau hat sich langsam in mein bewusstsein gearbeitet…

Fortsetzung… Prestigeausfall am Arbeitsplatz, durch Schwangerschaft und dadurch ein weibliches Elternteil zu sein…

…ein weiterführender gedanke… Schwangerschaftsunterhalt

P.S. Links zu Egalia:
Hier noch mehr über die geschichte im buch.
Hier der Egalia_Test.

 

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