Väter mit Migrationshintergrund

Auf dem lieblingsspielplatz der Großen und auch von mir, waren jeden tag immer die gleichen menschen, es ist ein hinterhofspielplatz. Er ist nach sechs zu, dann ist der türöffner aus und so müllen ihn nicht die ganzen party-drogen-konsument_inn_en zu, ab und zu mal ein benutztes kondom, was dort wegzuräumen ist, einmal ein toter vogel, aber keine scherben, keine zigarettenstummel, keine kronkorken im sand und drum herum. Ich glaube die große hat verstanden, dass sie dort freier ist, barfuß, ohne ständiges eingreifen, wegen verschluckbarer kleinteile, scherben, oder kippenresten. Dazu gibt es wasser und eine netzschaukel. Das publikum ist angenehm, wir fühlen uns wohl und bald kennen wir auch die meisten besucher_innen mit namen.

Zwei familien sind immer da, die beiden sommer, die wir dort verbrachten. Eine mutter mit zwei jungen, der eine ein jahr älter als meine Große der andere drei, den papa der beiden, J&J, habe ich ein paar wenige male gesehen, meistens auf der straße, er mag es wohl nicht auf den spielplatz zu gehen, sagte J, die mama von J&J mal.

Die andere familie besteht aus einem älteren N und einer jüngeren I. Sie haben auch zwei jahre abstand und sind je kein ganzes jahr älter, als J&J.

Ihre mütter sitzen immer zusammen, der papa von N&I ist auch oft mit, oder er kommt nach, er spielt mit den kindern fangen, rennt, klettert ihnen, trotz korpulenz hinterher und zeigt ausdauer dabei. Eigentlich sehe ich ihn nur zur kurzen verpflegungspause auf der bank sitzen, sonst ist er die ganze zeit über im kinderspiel aktiv. Er baut mit an sandburgen, nimmt an wasserschlachten teil, sucht nach den versteckten und wird beim toben von vier kindern angefallen, die alle irgendwo halt finden. Oft bewundere ich seine energie und phantasie dabei. Ach ja, nebenbei, er ist Inder.

Zwei väter treffe ich immer mit ihren mittlerweile nicht mehr einzelkindern, spielplatz ist bei den beiden eher vatertime.

Als die Kleine sich ankündigt, müssen wir umziehen, nicht allzu weit, aber nun haben wir neue spielplätze, auf die wir auch gehen. Auch hier treffen wir häufig bekannte gesichter.

In der letzten woche las ich zwei artikel über väter mit „migrationshintergrund“.

Einen davon  hier  in  Umstandslos.

Mir sind hier oft die muslimischen familien aufgefallen, die frauen, oft mit einem kpoftuch, sitzen zusammen beim mitgebrachten essen, die männer toben mit den kindern, buddeln mit den kleinsten, schupsen die schaukel an, haben dabei ein baby auf dem arm und hören ihren kindern zu. Sie setzen durch, dass geteilt wird, achten darauf, dass auf die kleinen rücksicht genommen wird. Sie sind angenehm und aufgeschlossen, auch in der woche sind sie allein je mit einem haufen kindern, die sicher nicht alle ihre sind vor ort. Wenn die jungen hinfallen, werden sie genauso getröstet, wie die mädchen, sie müssen genauso sehr rücksicht nehmen, immer wenn meine kinder zu ihnen gehen reden sie deutsch als gemeinsame sprache… diese muslimischen familien erfüllen keines der negativen klischees,…

In zwei der vielen bilingualen kitas im bezirk habe ich letztes jahr je einen platz für die Große und die Kleine ergattert.

Beim abholen, viel spanisch, die Kleine redet nun mit 23 monaten auch viel spanisch, singt, zählt, es ist lustig herauszufinden, dass das kind spanisch spricht und ich sie deshalb nicht verstehe, was sich nun legt, sie versteht langsam, dass es zwei sprachen sind.

Beim bringen und abholen, bei elternabenden, veranstaltungen und natürlich auf dem spielplatz sehe ich nun noch viel mehr elternteile ausländischer herkunft. Viele kommen aus süd- und mittelamerika. Es ist bunt, laut, lustig, temperamentvoll, nicht so langweilig deutsch…die multikulurellen familien achten genauso, wie die urberliner, oder zugezogenen dörfler_innen darauf, dass ihre kinder teilen und grenzen anderer akzeptieren.

In der kita fällt mir so sehr dieses liebevolle, emphatische verhalten der kinder auf. Sie verstehen einander, sind sich wegen bissen nicht böse, teilen, kuscheln, es ist wunderschön!!!

Noch einmal zu den vätern, um die es ja im artikel geht, auch in der sichtbaren aufgabenverteilung, beim abholen, freizeitgestaltung, etc, sehe ich sie zu 50%, ihren teil an der betreuungsarbeit leistend, was bei den deutschen familien nicht unbedingt so ist.

Ich finde es traurig, dass es anscheinend keiner weiterbildung für jungendamtmitarbeiter_innen gibt. Natürlich gibt es menschen die eine Kultur leben, in der mit kindern nicht gut umgegangen wird, es gibt da internationale und nationale beispiele genug, so lange ist es nicht her, dass eltern ihre kinder mit der flachen Hand schlagen durften… Aber ist es nicht fragwürdig, dass menschen, die so überlastet mit arbeit sind, so viel verantwortung alleine tragen und so viel macht? Denn ihren gutachten wird vorm familienhericht in der regel gefolgt, oft ohne sie aufgeschlagen zu haben, diese weden nicht hinterfragt, damit sind sie ja selbst zu richter_innen erkohren.

Wenn die dann bild lesen, afd wählen, oder der ansicht sind, wenn das kind sich anmalt, dann muss es geschrubbt werden, bis die farbe weg ist und nicht, bis es stop, oder dann aua sagt, dann haste halt pech gehabt, wenn sie dich nicht mögen… und was sie in ihre akten schreiben, gegen das kannst du dann nicht vorgehen.

Natürlich ist das jugendamt nicht voll mit afd-anhänger_inne_n, bei der beratungsstelle vom jugendamt, die alle mütter von erstgeborenen kontaktiert, habe ich mit einer freundlichen, intelligent wirkenden frau gesprochen, die mir riet die fingernägel meines babys einfach abzubeißen, wenn ich mich da nicht mit der schere ran traue. Die methode hat die Große sogar übernommen..die dame vom jugendamt wirkte von ihrer prioritätensetzung auf mich kompetent und so, als ob sie sich weiterbildet.

Doch diese macht der im jugenamt für erziehungshilfsbedürftige Familien zuständigen, entspricht nicht mehr der Gewaltenteilung unseres Rechts Systems, wenn ihre einschätzung durch keine instanz mehr geprüft wird!!!

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