Komplimente

Es wird uns weiblich eingeordneten wesen immer wieder gesagt, dass wir als schön empfunden, angesehen würden.

„Eine regel, die sich selbst vertritt, alle sind bereit, alle machen mit.“

Mir wird das in letzder zeit immer wieder an den kopf geworfen, warum?

Weil ich so furchtbar fertig aussehe, ich habe zugenommen, meine haut ist trocken und ich habe augenringe, ich sehe es doch selbst morgens beim zähneputzen, im spiegel!

Ich habe rote flecken im gesicht, vom vielen heulen, ich schminke mich aus dem selben grund erst gar nicht, sowieso fehlt mir der sinn dazu gerade vollkommen und auch früher hatte ich wenig lust mir morgens farbe ins ganze gesicht zu schmieren und dann den ganzen tag darauf zu achten, dass ich es nicht berühre, nichts verwische.

Als ich die Große mal mit liedschatten von der kita abholte, nahm sie mich ganz besorgt in den arm und streichelte meine wange,

„Oh mama, hast du da aua, oh hast du dir wehgetan.“

Sie spiegelte mir, dass ich wohl nicht viel schminke benutzte. Das ist nun etwas über 1,5 jahre her.

Nein, ich seh gerade nicht schön aus! Ich sehe gerade aus, wie eine alkoholikerin, obwohl ich nie trinke, ich will immer in der lage sein mich plötzlich um meine kinder kümmern zu können.

Aber warum erzählen mir alle ich sei schön?

Weil ich eine frau bin. So lautet die einfache antwort.

Es handelt sich dabei nicht um die unnötige aussage, dass mich jemand als „leckere frau“ einordnet, die alleine mir schon viel potential für eine gesellschaftsanalyse bietet.

Menschen die das zu mir sagen haben den wunsch mir sicherheit zu vermitteln. Da ich eine frau bin und mir dadurch eine große identifikation über mein aussehen eingetrichtert wurde, ist es der weg des geringsten wiederstandes, diesen impuls über die entsprechenden neuronen laufen zu lassen.

Vielleicht sehen sie auch, dass ich laut definition mal eine recht schöne frau war. Vielleicht tut es ihnen leid, dass ich so fertig bin, dass sie mir ansehen, dass ich viel weine. Oft nicht richtig bei einander bin. Sie sehen mich, was ich sein könnte.

Aber es fühlt sich an, wie eine schachtel mit geschenkschleife, die, wenn ich gespannt den deckel abnehme leer ist.

Das geschenk machen mir die menschen, die mir geben, wonach ich mich verzehre, die von meiner Großen sprechen, die ihren namen aussprechen, oft, so ift wie möglich!!!

Die menschen, die mein kind nicht vergessen sind die wertvollten auf der welt für mich. Die menschen, die nicht sehen was ich sein könnte, sondern sehen, was meine Große sein könnte, sollte, nicht sein darf!!! Alle menschen, die sie kennenlernen, die wissen, was fehlt, wie sie ist, die wissen, dass ab dem moment, ab dem die Große nicht mehr weiter erlebte, die welt eine andere wurde, eine für uns, für ihre eltern eine falsche, eine unfassbare, eine kalte leere welt.

Und gleichzeitig ist sie wunderschön, sie muss wunderschön sein, weil unsere Kleine das bild weitermalt, diese ambivalenz zu leben ist schwer.

Aber was mir dabei vollkommen egal ist, ist ob andere mich als schön empfinden, sehen.

Wenn ich mich mal um mein aussehen kümmere, dann, weil ich nicht möchte, dass einer von diesen milliarden unwissenden menschen denkt, sie, die Große sei nicht wunderschön.

(Und weil ich soziale nachteile und daraus resultierende schädigung der Kleinen und unserer beziehung zueinander vermeiden möchte. Natürlich will ich ihr auch vermitteln, dass wir uns selbst pflegen und uns um die eigenne gesundheit kümmern. Dass muss ich ihr vor machen, das weiß ich.)

Ich empfinde meine Große, als einen der zwei wunderschönsten menschen, den es je gegeben hat. Sie sieht genauso aus, wie ich mir mein perfektes kind immer vorgestellt hatte.

Und natürlich hat sich der stellenwert der schönheit in meine gefühlswelt hineinsozialisiert. Mir ist dabei durchaus bewusst, dass charakter und persönlichkeit das sind, was wichtig ist, was ich von geliebten menschen im herzen trage und was auf den ersten blick, oder auf einem foto nicht zu sehen sind.

Nachtrag;

Ich habe diesen beitrag geschrieben, weil es mir missfällt, wenn mir das gesagt wird.

Darüber hatte ich mir ein paar gedanken gemacht, die ich auch gar nicht noch ein mal alle ins detai durch kauen wollte.

Aber dazu hatte ich nun noch eine erkenntnei, zwei, die zweite zuerst, zum ersten mal in meinem leben fühle ich unbehagen bei diesen worten nicht, weil ich durch sie eine bedrohhung sehe, oder weil mein partner ein problem damit haben könnte, oder weil ich mich nicht auf mein aussehen runterradiert sehen sollte, sondern, weil ich mich darauf nicht reduzieren lasse, ich lasse meine identität nicht darauf stehen, wie andere mein äußeres bewerten!

Und der wichtige unterschied ist, ich lasse es nicht mehr zu. Diese worte haben jeglichen reiz verlohren, es ist mir scheißegal und ich finde es angenehmer, wenn die grenze der bewertung des äußeren, meines äußeren, nicht überschritten wird!

Ich hatte das auf meine to do liste geschrieben, als ich acht war, 21 jahre hat es gedauert, als nähstes steht da weltfrieden, nun gut, ich seh, was sich machen lässt…

Lovis

Ps. Sarah Borsetti hat es auch noch mal allgemein sehr schön gesagt..

Ein Gedanke zu “Komplimente

  1. in den anfängen meiner 20er lebensjahre wurde viel mit schminke probiert.
    mir sollte auch einmal gesagt werden, du bist schön.
    denn ohne schminke wurde auch kein kompliment über das äussere gemacht.
    das änderte sich mit dem reifer werden.
    vor allem, wenn psychisch der worst case wütete, kam das kompliment: „heute siehst du schön aus.“
    mit leiden im gesicht.
    mit dem schminken habe ich endlich einen kompromis gefunden.
    ein wenig kayal an die augen und wenns passt, einen dunklen lippenstift.
    das ist ausreichend, um mich schön zu fühlen.

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