„Ich lass mich nicht zum Opfer machen!“

 

„Du Opfer!“

Was haben Opfer, Menschen mit Migrationshintergrund und Quotenfrauen gemeinsam?

Ihre bezeichnungen sind zu schimpfwörtern gemacht und verzerrt worden.

„Ich lass mich nicht zum Opfer machen!“

Ist eine häufige aussage von jungen, scheinbar selbstbewussten frauen.

Doch meinen sie eigentlich die negation des wortes, die sie nicht auf sich bezogen wissen wollen. Es ist doch eine absurde aussage. Ich denke kein mensch will opfer sein, kein lebewesen möchte das!

Diese aussage suggerriert, dass es eine entscheidung wäre, das opfer seine einwilligung zur opferwerdung gibt.

Die eigenschaft, die alle lebewesen haben, die opfer werden, ist die, daran passiv beteiligt zu sein. Egal, wie kurz der rock war, oder wie sicher auf einen aufstand geschossen wird. Menschen, die opfer werden erleben dies immer als passiv beteiligte person.

„Ich lass mich nicht zum opfer machen.“- meint vielleicht viel mehr, dass im verarbeitungsprozess eines erlittennen traumas, die traumatisierte person ihr schicksal annimmt und sich selbst eingesteht, dass sie opfer geworden ist.

Wenn ein traumatisierter mensch sein trauma verarbeitet, darüber redet und sich als opfer bezeichnet, ist das eine wunderbare aussicht auf ein normales leben, warum wird das angegriffen?

Sollen opfer, nachdem sie opfer geworden sind, so tun, als wäre nichts passiert und stark sein, um zu zeigen, dass sie nichts sagen und trotzdem nicht kaputt gehen, damit sich nie etwas ändert?

Also ist es keine entscheidung opfer zu werden, wir entscheiden uns auch nicht einen migrationshintergrund zu haben, oder 10 jahre alt zu werden.

Ein opfer muss nicht passiv und wehrlos sein. Auch ein wesen, das stark ist und kämpf, kann zum opfer werden. Das hat nichts miteinander zu tun.

Also, warum stellen sich junge frauen hin und posaunen heraus, dass sie sich nicht zum opfer machen lassen?

In unserer kapitalistischen, nach leistung orientierten gesellschaft, die leistung in besitz und wirtschaftsleistung misst, ist es wichtig sich durch zu setzen. Das ist das lebensprinzip, besser, schneller, mehr, steigende opferzahlen bringen kein wachstum, das lernen die kleinen schon auf dem spielplatz, spätestens in der schule. Denn die kleinen spiegeln uns so schön wieder, was die grundstruktur unserer gesellschaft ist.

Opfer, wird mit schwach, hilflos, minderbemittelt, bloßgestellt, infantil und vielen weiteren, negativ behafteten eigenschaften verbunden, setzen wir noch hüpsch, niedlich, elegant hinzu haben wir auch viele mit weiblichkeit und weiblichen menschen verbundenne wörter gesammelt, ganz nebenbei.

Dies alles sind zuschreibungen, die in eine hilfsbedürftige situation weisen. Natürlich möchte keine junge, gerade in die autonomie strebende frau* damit verbunden werden.

Die negative behaftung des wortes führt zu weiteren problemen. Wenn ein opfer, beispielsweise, von gewalt, sich öffentlich äußert, die gewalttat anzeigt, aber oder gerade desshalb nicht in dieses gezeichnete bild eines opfers passt, begegnet die gesellschaft seiner aussage mit misstrauen.

Also will ein wesen unserer gesellschaft nicht nur nicht als opfer bezeichnet werden, sondern ist auch noch mit der richtigen und falschen rolle eines opfers konfrontiert.

Irgendwie steht auch außer der schlagzeilengeilen presse, steuersparenden und ein paar ehrenamtlichen, in unserer gesellschaft niemand auf der seite von opfern. Bei gewalttaten wird den tatverdächtigen oder verurteilten, mit rechtsvertretung und und so weiter, ihr bürger_innenrecht gewahrt.

Aber opfer müssen für vieles in vorkasse gehen, bzw. für die eigennen kosten, also die rechtsvertretung aufkommen, je nachdem, ob die tat verurteilt wird.

Verlieren sie den prozess, droht ihnen eine verleumdungsklage und eine klage, wegen übler nachrede. Ich habe selbst zwei solcher fälle mitbekommen.

Seit jahren machen sich eine reihe von vereinen und öffentliche personen dafür stark, dass der opferschutz und die begleitung wärend der juristischen prozesse, anzeige, aussage, vor gericht, durch staatliche standarthilfe verbessert wird, hier sollte sich auch die gesellschaft verpflichtet sehen, zu begleiten!

Wir müssen alle daran arbeiten, dass sich das stigma auflößt! Aufklährung für groß und klein, damit es einmal heisst:

„Ich lass nicht zu, dass in meiner umgebung jemand opfer oder täter_in wird!“

Lovis

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4 Gedanken zu “„Ich lass mich nicht zum Opfer machen!“

  1. Wer Opfern den Opferstatus abspricht begeht verbale Gewalt. Er ist dann ein Täter und das Opfer zum zweiten Male, also schon wieder ein Opfer. Tja… Verdrehung der Tatsachen.

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  2. Der Text klingt gut, doch ich versteh nicht auf was du hinaus möchtest.

    Ich als Opfer einiger Taten kenne den Verdruss über die eigene Glaubwürdigkeit, vorallem wenn einem ständig etwas passiert nur die Besetzung sich ändert. Vorallem die Relativierung mit dem Satz:“ Schau mal, ihm/ihr geht es viel schlechter als dir“ – das ist wie einen Krebspartienten Stadium 1 mit Stadium 3 zu vergleichen und bewerten.

    „Ich lass mich nicht zum Opfer machen“; ist mir mehr als einmal aus dem Kopf gefallen. Weil ich Opfer als unangebracht halte. Ein Opfer war ich in genau jenen Momenten, jetzt bin ich jediglich eine Geschädigte. Ich will – nicht für ewig das Opfer sein, nur weil mir etwas passiert ist. Die ewige demütige Haltung einnehmen, nie über das Erlebte hinweg kommen – den Tätern keine Macht auf Lebzeit über mich geben.

    Vielleicht sollte der Satz tatsächlich um die Wörter: „immer wieder“ ergänzt werden.

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    1. Aber das ist eine andere sicht, den begriff opfer, als temporär einzuordnen, wertet ihn nicht herab. Der satz“Ich lass mich nicht zum Opfer machen“ suggerriert vieles, was ich als victimblaming bezeichnen würde, das kotzt mich an. Und, da das viel mit vergewaltigungsmythen zu tun hat, habe ich die themen verknüpft. Ich habe den begriff opfer nicht temporär begrenzt. Den begriff „Geschädigte“ finde ich passend, er trifft es genau und ist nicht so negativ besetzt, jedoch fänd ich es schön, wenn opfer kein schimpfwort mehr wäre..

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