Mord mit Aussicht

 

TATORT

Wenn wir mal einfach doof fernsehn schauen wollen, fällt die wahl meistens auf den tatort. Beim Tatort ist mir allerdings aufgefallen, dass vor jahren das pro7 und co prinzip übernommen wurde, sex sells. Aber auch hier wieder, vom mann siehst du höchstens mal den hintern, frauen werden mit ausnahme von scharmlippen von vorn nach hinten und oben nach unten komplett nackt gezeigt. Bei sexszenen, unter der dusche, vollkommen zusammenhanglos während sie sich schnell umziehen und waschen…dabei haben alle nackten kommissarinnen, täterinnen und opfer eines gemeinsam, sie sind alle schlank, unter 60 jahren, wenn sie über 40 sind, glänzen sie trotzdem mit festen brüsten und zellolitisfreien beinen, falten sind dezent vorhanden. Die etwas molligen tatortkommissarinnen haben kein ins detai gezeigte sexualleben, sie bleiben als nicht dem ideal entsprechend verhüllt. Sexistische sprüche der symphathischen herrn aus köln, von denen aus mainz (mein lieblingstatort), vom sexismus und rassismus im bayrischen ganz zu schweigen, machen mir das fernseherlebnis unbequem, meine laune sinkt und in den letzten jahren hat mein mann oft da gesessen und gesagt, „..das ist doch nicht deren ernst, warum muss sie denn dafür nackt sein?“ Von dem niveauabfall der öffentlichen und der angleichung an konzepte der privatsender habe ich schon lange die schnauze voll!!!

 

Doch es gibt eine alternative, seit es mir auffiel achte ich darauf und die liste mit pros erweitert sich bei jeder folge

MORD MIT AUSSICHT

MORD MIT AUSSICHT

ich bin echt begeistert. Die serie startete 2011, ist vom WDR,  läuft auch auf dem ersten und feiert seit dem steigend hohe einschaltquoten.

Sophie Haas ist polizistin in Köln, sie hofft von ihrem verhassten vorgesetzten, der eingestaubte politik aus adenauers zeiten pflegt, befördert werden zu müssen, nachdem sie eine geiselnahme in einem club unter hohem körperlichen einsatz, actionfilmmäßig, wie Till Schweiger, bloß ohne geballer und explodierende kulissen, so ziemlich alleine beendet.

Das klischee wird umgedreht, nach der heldentat liegt sie abends in der badewanne und der ende 20 jährige untergebene aus der wache, der dem schöhnheitsideal mann entspricht taucht aus der wanne auf und wird dann nett zu sich nach hause geschickt, weil die heldin ihren schlaf braucht und er seine arbeit getan zu haben scheint. Er sagt ihr nochmal, dass das ganze revier der meinung sei, dass sie die beförderung mehr als verdiehnt habe und sie alle hinter ihr stünden. Bei der verabschiedung wird deutlich, dass sie seinen namen vergessen hat…

Soweit, so neu…

Sie wird nicht, wie erwartet leiterin der mordkommission, der verstaubte alte mann hinter dem rustikalen schreibtisch teilt ihr mit, dass sie zwar befördert wird, jedoch soll sie die leiterin der polizeiwache in Hengasch, landkreis Liebernich, werden. In der Eifel. Sie springt ihm fast an den hals und zertrümmert sein inventar, bis sie unter androhung von gewalt, ihre sachen richtet und einen würdevollen abgang hinlegt.

Sie versucht sich auf rechtlichem wege zu wehren, versucht alles, doch sie ist mit ihren ende dreißig, verbeamtet, hups, da gibts auch nachteile, dienstweisung.

Mit ihrem roten caprio, ihrem langen blonden, wehendem haar, ihrer sonnenbrille, ihrer designhandtasche und ihren schicken klamotten, macht sie sich unfreiwillig auf den weg in die Eifel.

Ihr untergeben sind Berbel Schmied und Dietmar Scheffer. Provinzpolizei…Berbel ist unheimlich naiv, aber lernfähig. Dietmar ist schon mitte vierzig und schon zimlich stumpf, er steht ständig im weg.

Alle vorurteile, die es über das landleben gibt, scheinen Sophie Haas zu überfluten.

Sie ist hoch motiviert etwas zu tun und auch so schnell wie möglich wieder in die stadt versetzt zu werden.

Also lässt sie sich alle ungelösten fälle der letzten jahre bringen, nach dem sie auf die frage nach laufenden fällen über den diebstahl von muttererde auf einer gemeindebaustelle aufgeklärt wurde. Widerwillig und träge werden ihr die akten raus gesucht, eine brandstiftung, mit todesfall und ein verschwundenner feuerwehrmensch. Sie löst die alten fälle, die, wer hätte es vermutet zusammen hängen.

Nach dem sie die leitung der wache übernommen hat fallen die leute ermordet um wie die fliegen. Oft hat Dr. Bechermann, der örtliche gynäkologe bereitschaft. Nach seinen ersten auftritten wird klar, warum es vor der ähra Haas keine morde gab. Er diagnostiziert immer einen herzinfakt, der running gag der serie!

Nebenbei hat sie ein sexualleben und ist eine emanzipierte frau, die sich vom ticken der inneren uhr nicht gerade wie von einer zeitbombe jagen lässt.

Ihr vater ist zu ihrer überraschung mit gezogen, ein alter aber moderner mann, der seine tochter bewundert, liebt, unterstützt und neckt.

Wenn ich mir die nebenrollen ansehe, ist das verhältnis zwischen geschlechtern repräsentativ, auch die frauen arbeiten und laufen auf der straße herum, sie führen geschäfte und organisieren sich.

Die chraktäre sind zwar überzeichnet, wenn wir die hauptdarstellerin fragen, jedoch spricht die serie so viele politisch und gesellschaftlich brisanten themen so humorvoll und schön an und positioniert sich meist auf meiner sichtweise, dass ich das kaum wahrnehme.

Das sind themen, wie die legalisierung von cannabis und die sichtweise und wertung von homosexualität, gewalt in der ehe, von frauen und von männern, vorurteile gegenüber menschen mit anderer ethnischer herkunft, oder familiengeschichte, die verdrängung des einzelhandels und der kleinen betriebe, durch ketten und großmärkte, antibiotikagabe an „nutztiere“,…

Beispielsweise finden sie nach einem vermeintlichen autodiebstahl und unfall mit fahrer_innenflucht in der folge „Hengasch„, ein paar kilo gras im kofferraum, von dem sich frau Haas sofort ein paar gramm abzweigt und zu hause eine fressorgie feiert. Was von ihrem vater nicht unbemerkt bleibt. Es folgt ein gespräch der beiden über medezinischen nutzen von cannabis und die schizophrenie des rechtsstaates und der polizei in der hinsicht auf die illegalisierung der verbrauchenden und dem vergleich zwischen Cannabis und Alkohol.. Es stellt sich heraus, dass die örtliche gärtner_ei eine riesige hanfplantage ist, nebenbei findet die kommissarin heraus, dass ihr vater der tante ihrer kollegin immer ihr gras gegen ihre artritis besorgt, dass besser wirkt, als die ganzen chemiepillen. Den dieler ihres vaters nimmt sie weder fest, noch nimmt sie die geschichte auf, es liegt ihrer meinung nach nicht im öffentlichen interesse. Scheffer nennt die beiden marihuanapflanzen, die sie finden „Drogenpflanzen“, was sehr schön die wissenslücke der_des normalbürger_in ausdrückt. Am ende der folge sitzen Sophie Haas, ihre kollegin Berbel Schmied und deren Tante Ente zusammen im garten, bei kaffee und kuchen und rauchen einen joint.

Bei einem anderen fall ( „Einer muss singen“ ) fragt sie ihre kollegin, Schmied, ob ein anwohner schon einmal verheiratet oder in einer langen beziehung gelebt habe, ihre kollegin erwiedert nein. Später fragt sie, warum ihre kollegin ihr nicht gesagt habe, dass der mann schwul sei, Berbel antwortet, dass sie danach doch gar nicht gefragt hätte. Scheffer sagt, ist ihm doch egal, was der für eine sexuelle orientierung habe, und ob sie bei frau Haas in köln keine schwulen hätten.

In einer anderen folge verliebt sich Berbel in eine frau, womit sie selbst aber das größte problem hat, weil sie doch nicht lesbisch sei, alle anderen sind der meinung, ist doch egal, schön, dass du dich endlich mal verliebt hast. Ihre angebetete sagt ihr, dass sie auch nicht lesbisch sei, sich aber verliebt habe, in einen menschen, nicht einfach nur in einen mann oder eine frau. Ein sehr schönes gespräch zwischen den beiden, das für einen offenen und zwanglosen umgang mit liebe plädiert.

Im „LoveHotel Traube“ wird gezeigt, dass auch Frauen ein eigenbestimmtes sexualleben haben, städterinnen steigen dort mitten in der Eifel ab, um „es so richtig krachen zu lassen“.

Auf dem land verkauft ein junger mann nicht nur eier und kartoffeln, sondern Rocco verkauft auch seinen körper an einsame oder unerfüllte Frauen und verdient damit viel Geld, bis sein Tod zu einem fall wird („Klingelingeling„).

Sophies vater wird pflegebedürftig und zieht gleichzeitig nach Hengasch, eigentlich wollte er seiner tochter seine Wohnung in Könl überlassen, doch, Sophie bleibt da um sich um ihn zu kümmern und tritt nicht die heiß ersehnte stelle in Koblenz an. Auch, wenn dies gestrickt ist um die serie sinnvoll weiter laufen zu lassen, ist hier doch ein soziales phänomen angesprochen worden und die heldin ist menschlich und hat menschliche probleme. Auch gesellschaftlich gemachte. Ich finde es wichtig, dass das gesellschaftlich repräsentativ in serien verarbeitet wird, gerne mit beispielen, wie wir die gesellschaft besser machen, aber auch, was uns daran scheitern lässt.

Der Tatort kennt überrepräsentativ viele harte karriärefrauen, liebevolle, aber kontrollierende mütter und manipulative frauen, die gerne mal ihren körper, geffühllos hergeben um die fäden zu bewegen, und hat zwar auch anspruchsvolle themen behandelt, ist jedoch immer noch größten teils sexistisch, im gesamtzusammenhang, in einzelnen aussagen, in der Verteilung der posten in der herachie von männern und Frauen, natürlich gibt es quotenfrauen, aber genau, wie die dargestellte polizeigewalt, wird über den sexismus doch hinweggesehen, da er ja immer so menschlich verpackt ist, auch wenn er vor dem abschließenden schmunzeln kurz gerügt wird, eine dienstanzeige gibt es in der regel nicht, nur ungerechtfertigt und ein änderungsbedarf wird nicht formuliert. Ein Artikel bei Spiegel-Online behandelt das thema frauenquote beim tatort und spricht ein lob aus, aber dreißig prozent finde ich zu wenig.

Männer sind die hälfte der menschheit, aber sollen nun auf 70% reduziert werden…

Hier ein ausschnitt des artikels, (http://www.spiegel.de/kultur/tv/tatort-erfuellt-die-frauenquote-respekt-ard-a-1005005.html):

Der Machismo ist also nicht zu verdrängen aus dem „Tatort“. So wie aus dem Rest der Gesellschaft auch nicht. Und trotzdem beweist die ARD-Krimireihe eine gewisse Vorreiterschaft: Die von der Koalition beschlossene Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten größerer deutscher Unternehmen – im Ermittlerbereich des „Tatort“ ist sie längst durchgesetzt. Betrachtet man über die Jahre hinweg die Geschlechterverteilung in allen neuen Erstausstrahlungen, so wurde die 30-Prozent-Marke schon vor drei Jahren geknackt:“

– leider konnte ich den teil nicht kopieren, aber seht euch die Statistik im Artikel an, es ist absurd, dass es da Daumen hoch heißen soll, wie der Artikel später auch selbst kritisiert-

“ In der Frühzeit des „Tatort“ waren Frauen allenfalls Sekretärinnen. 1978 übernahm dann Nicole Heesters als Ermittlerin Buchmüller gleich als Chefin die Mordkommission in Mainz. Sie kleidete sich betont weiblich, war im Umgang mit männlichen Kollegen aber betont harsch. Die Figur hielt nur vier Folgen durch – bereitete aber den Boden für etliche hartnäckigere Kolleginnen.

In den Achtziger- und Neunzigerjahren gab es dann einen wahren Boom an Kommissarinnen – mit zum Teil extrem langer Fernsehlebenszeit. (Sehen Sie in unserer ausführlichen Bildgalerie die wichtigsten Ermittlerinnen.)

So konnte etwa die 1989 erstmals im „Tatort“ auftretende Ulrike Folkerts in der Rolle der Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal unlängst ihr 25. Fernsehdienstjubiläum feiern. Sabine Postel als Inga Lürsen in Bremen ist 17 Jahre dabei und Eva Mattes als Klara Blum in Konstanz immerhin zwölf.

Frauen im Revier
Zeitraum
Stadt
Rolle
Schauspielerin
1978-80
Mainz
Marianne Buchmüller
Nicole Heesters
1981-88
Baden-Baden
Hanne Wiegand
Karin Anselm
seit 1989
Ludwigshafen
Lena Odenthal
Ulrike Folkerts
1997
Hamburg
Lea Sommer
Hannelore Elsner
seit 1997
Bremen
Inga Lürsen
Sabine Postel
seit 2002
Hannover
Charlotte Lindholm
Maria Furtwängler
seit 2002
Konstanz
Klara Blum
Eva Mattes
2003-10
Kiel
Frieda Jung
Maren Eggert
seit 2008
Leipzig
Eva Saalfeld
Simone Thomalla
seit 2011
Wien
Bibi Fellner
Adele Neuhauser
2011-13
Frankfurt
Conny Mey
Nina Kunzendorf
seit 2011
Kiel
Sarah Brandt
Sibel Kekilli
seit 2012
Luzern
Liz Ritschard
Delia Mayer
seit 2012
Dortmund
Martina Bönisch und Nora Dalay
Anna Schudt und Aylin Tezel
seit 2013
Saarbrücken
Lisa Marx
Elisabeth Brück
seit 2013
Hamburg/Umgebung
Katharina Lorenz
Petra Schmidt-Schaller
seit 2013
Erfurt
Johanna Grewel
Alina Levshin
seit 2013
Weimar
Kira Dorn
Nora Tschirner
seit 2014
München
Christine Lerch
Lisa Wagner
Quelle: ARD

(…)

 Nicht immer reicht das Bekenntnis zu einer weiblichen Hauptperson für eine starke Frauenfigur: Die einst so glorreich gestartete Lena Odenthal etwa geistert jetzt oft als Scheintote durch die Handlung, ohne Liebe, ohne Hoffnung, nur mit Katze und WG-Kollege.

Und der jüngste Ermittlerinnenzugang, die eigentlich tolle Alina Levshin als Johanna Grewel in Erfurt, ist bislang nicht mehr als das Abziehbild einer Jura-Streberin. Quote gut, Charakter schwach. Da geht noch was beim „Tatort“.

 

Lovis

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